EduCamp Bielefeld – 18.-20.11.2011

Dieser Beitrag wurde verfasst von: Katharina Korves.

Die EduCamp-Kultur, eine Sonderform der BarCamps oder sogenannten „Mitmach-Konferenzen“, bei denen die Teilnehmer aktiv partizipieren und mitgestalten, ging vom 18.-20. November in Bielefeld in die nächste Runde. Ich, ein unbedarfter Neuling, war mittendrin. Sozusagen keine Ahnung und voller Spannung, ob ich EduCamp-tauglich bin und was sich dahinter verbirgt. Dieses sind meine Eindrücke und Erfahrungen…
Ich traf an diesem Wochenende auf eine heterogene Gesellschaft, die daran interessiert war und ist, sich in sogenannten Sessions (man könnte auch sagen freien Diskussionsrunden) innovativ bis elektronisch über Bildungsthemen unterschiedlicher Institutionen (Schule, Uni etc.) auszutauschen und Ideen zu entwickeln. Soviel zum inhaltlichen Gedanken, oder besser: zum inhaltlichen „Aufhänger“ der Veranstaltung. Es ging allerdings darüber hinaus um mehr, es ging um „Vernetzung“.
Gemeinschaft auf elektronisch?

Eröffnungsrunde beim EduCamp in Bielefeld

Ich finde Vernetzung gut, denn es impliziert ein Grundbedürfnis, sich nicht nur für den Moment, sondern darüber hinaus längerfristig funktional, überregional und kollegial auszutauschen.
Allerdings, der Begriff Vernetzung projiziert im Zeitalter des Web 2.0 – man denke an soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Google+ etc. – die Vorstellung einer elektronischen und somit unpersönlich anmutenden „Pseudo-Gemeinschaft“. Dies schien sich oberflächlich auch hier zu bestätigen, beinahe alle „EduCamper“, die ich am Wochenende getroffen habe, sind nicht nur sowieso in diesen sozialen Netzwerken unterwegs, sie haben auch auf und während der Veranstaltung in eben dieser elektronischen Form kommuniziert.  Ausgerüstet mit W-Lan und einem Twitter-Account wurde gezwitschert, was das Zeug hielt. Jedoch immer mit dem Anliegen, Nützliches wie Ideen, Einfälle, Wissen, Geistreiches oder einfach „nur“ Nettes mit-zu-teilen. Oberflächlichkeit ist für mich etwas anderes und Teilen bekommt in dieser Ausprägung für mich eine ganz neue Dimension.  Als Neuling habe ich fasziniert die Twitterwall, auf der ich die kurzen Mit-Teilungen oder fachmännisch „Tweets“ verfolgen konnte, genau in Augenschein genommen.
Hier eine kleine Auswahl der O-Töne: 

  • „Ein Netz mit totaler Transparenz erfordert eine Gesellschaft mit totaler Toleranz“ (@mariaeirich)
  • „@dunkelmunkel: der Zugriff auf den globalen Wissensspeicher macht persönliches Wissen nicht überflüssig! #ecbi11 -> Zustimmung“ (@herrlarbig)
  • „Wenn ich eine Vorlesung vorher aufzeichne, was mache ich dann eigentlich in der Vorlesung?@dunkelmunkel zeigt es gleich…“ (@dieHauteCulture)
  • „Ersetzen offene Bildungsmaterialien die Lehrenden? NEIN! Aber eine andere Art von Lernkultur entsteht.“ (@designeon)
Twittern während des EduCamps

Diese kurzen Statements sind eine sehr kleine und beschränkte Auswahl. Wer interessiert ist, weitere Tweets, Protokolle oder kleine Videomitschnitte anzuschauen, wird auf der EduCamp-Homepage findig:
http://educamp.mixxt.de/networks/wiki/index.ecbi11-berichterstattung .
Ausgehend vom Kernanliegen, sich gegenseitig in offen gestalteten Sessions über neue Lernkulturen zu informieren und Möglichkeiten zu entwickeln, passierte hier noch eine ganze Menge mehr: es wurde aufeinander eingegangen, Rückfragen gestellt, Probleme gelöst, Hilfe (auch von Angesicht zu Angesicht) angeboten, sich zum Essen oder zum Bierchen verabredet, Lob verteilt, Ideen preisgegeben, auf Interessantes aufmerksam gemacht, der eine oder andere Lacher verteilt…
Kurzum, ich weiß nun: nicht nur Informationsweitergabe, sondern auch Gemeinschaft auf elektronisch geht. Und: in derart lockerer Atmosphäre gelingt nicht nur der Informationsfluss ganz leicht, sondern es passiert – ganz wie nebenbei – LERNEN. Das finde ich besonders erfreulich, da sich hier diejenigen, die sich sonst das Prädikat Lehren anheften oder denen es zumindest angeheftet wird, ganz selbstverständlich als Lerner begreifen (dürfen).
Auch ich habe gelernt.

  • Ich habe zum Beispiel gelernt, dass Facebook auch für Schüler ein im Schulbildungsprozess konstruktives Lehrmedium sein kann.
  • Ich habe gelernt, wie Twitter funktioniert (und das Twitterer kuscheln können -> siehe Berichterstattung)
  • Ich habe gelernt, dass unabhängig von der Institution, in der man Zuhause ist, eine interne und externe Vernetzung Sinn und Ideen stiftet.
  • Ich habe gelernt, dass eine ausgeprägte Teamkultur auch auf elektronisch funktioniert.
  • Ich habe gelernt, dass EduCamper interessierte, freundliche und offene Menschen sind.
  • Ich habe gelernt, dass EduCamps gerade in Anbetracht der Herausforderungen unseres Bildungssystems, aber auch angesichts der Möglichkeiten, die uns neue Medien (wie auch Web 2.0 und die sozialen Netzwerke) bescheren, die Fortbildungen der Zukunft sind.
Neue Lernkulturen entwickeln und vernetzen

Ich empfehle also allen Bildungsinteressierten, hier einmal einzutauchen, sich von den vielen guten und zukunftsorientierten Gedanken und dem Teamgeist bereichern zu lassen. Denn nur wer weiß, was das Ganze soll und wie´s funktioniert, kann profitieren, mitreden und (sich und seine Ideen) MIT-TEILEN.
Bin ich nun EduCamper?
Ich denke ja. Ging ganz einfach. Hab´ einfach mitgemacht.
Katharina Korves