Die Entscheidung für ein Sondervermögen für Infrastruktur ist eine gute Nachricht – und dass Bildung dabei explizit genannt wird, umso bemerkenswerter. Denn im Wahlkampf spielte das Thema nur eine Nebenrolle, obwohl es entscheidend für die Zukunft unseres Landes ist. Nun erhält Bildung noch vor dem offiziellen Start der neuen Bundesregierung politische Sichtbarkeit. Doch die entscheidende Frage lautet: Wird diese Chance strategisch genutzt oder bleibt sie ein Impuls ohne nachhaltige Wirkung?

Das Sondervermögen könnte ein Signal für einen bildungspolitischen Aufbruch sein. Doch Geld allein reicht nicht. Ohne durchdachte Strategie und konsequente Umsetzung droht das Geld, bloß ein Strohfeuer anzufachen; ohne spürbare Verbesserungen für Schülerinnen und Schüler. Deshalb braucht es einen kohärenten Plan, der über einzelne Maßnahmen hinausgeht und langfristig Wirkung entfaltet.

Drei Erfolgsfaktoren für ein wirksames Sondervermögen

Klare Ziele und eine langfristige Agenda

Fest steht: Der Großteil der Mittel wird in Baumaßnahmen und Digitalisierung fließen. Doch diese Investitionen müssen in eine übergeordnete Agenda eingebettet sein. Es braucht eine Vision: Wo soll unser Bildungssystem 2035 stehen, wenn das Sondervermögen ausgelaufen ist? Welche Veränderungen sind nötig, um wirklich Fortschritte zu erzielen, anstatt nur akute Mängel zu beheben? Ohne ein solches gemeinsames Zielbild drohen Milliardenausgaben ohne messbaren Bildungserfolg.

Einbindung von Schulträgern und -praxis

Damit die Ziele erreicht werden können, müssen diejenigen, die für ihre Umsetzung mit verantwortlich sind, von Anfang an beteiligt werden. Da es beim Sondervermögen primär um Infrastruktur geht, müssen Kommunen als Schulträger frühzeitig mit an den Tisch. Auch Schulleitungen und Lehrkräfte sollten eine aktive Rolle spielen, denn sie wissen am besten, welche Investitionen tatsächlich den Schulalltag verbessern.

Eine durchdachte und wirkungsorientierte Umsetzungsstrategie

Auch breit geteilte Ziele allein genügen nicht – sie müssen in eine konkrete Strategie überführt werden. Das bedeutet klare Prioritäten, realistische Wirkungsziele und eine datengestützte Bedarfssteuerung. Das Startchancenprogramm ist ein erster Schritt hin zu einer bedarfsgerechten Mittelverteilung im Rahmen eines Bund-Länder-Programms. Diese Logik muss fortgesetzt werden: Mittel müssen dort ankommen, wo sie den größten Nutzen entfalten. Die von der CDU vorgeschlagene Schüler-ID könnte hier ein entscheidender nächster Schritt sein. Mit einer systematischen Analyse von Bildungsverläufen könnte verhindert werden, dass Schülerinnen und Schüler durchs Raster fallen.

Geld allein macht keine bessere Bildung. Es braucht Akteure auf allen Ebenen im Schulsystem, die bereit sind, zu lernen. Die Politik muss jetzt Ehrgeiz und langen Atem aufbringen, das Schulsystem mit einer neuen Datenkultur wirkungsorientiert auszurichten. Das Sondervermögen kann also ein Wendepunkt sein – wenn es klug eingesetzt wird.