Vanessa Reinwand-Weiss ist Mitglied im Expertengremium „Rat für Kulturelle Bildung“ und Direktorin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel.

Der Rat für Kulturelle Bildung fordert in seiner neuen, jugendpolitischen Handreichung „Auf den Punkt – Kulturraum Kindheit und Jugend“, dass Bund und Länder Kulturräume in Kommunen stärker unterstützen – mit welchem Ziel?

Das Ziel ist letztlich mehr Bildungsgerechtigkeit, aber auch lebendige Kommunen als Räume des Aufwachsens zu stärken. Um kulturelle Beteiligungsmöglichkeit für alle jungen Menschen herzustellen, braucht es vor allem zuverlässige Strukturen in den Kommunen vor Ort – dies ist eine riesige Aufgabe und erfordert eine abgestimmte Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Die Bildungsstrukturen in Deutschland müssen hier neu gedacht werden, gerade auch nach den Erfahrungen des Fehlens von Bildungsräumen in der Pandemie. 

Was muss in den Kommunen vor Ort passieren?

Das Stichwort ist hier das der regionalen Bildungslandschaft und das der ressortübergreifenden Kooperation. Formale Bildungsangebote wie an Schule, non- formale Bildungsangebote aus dem Freizeitbereich sowie informelle, also auch selbstorganisierte Anlässe müssen systematisch aufeinander bezogen werden. Dafür sind aber jeweils verschiedene politische Ressorts und institutionelle Ebenen zuständig. Kommunen haben im Sinne der eigenen Zukunftsfähigkeit die Aufgabe dafür zu sorgen, dass Einrichtungen der Bildung und Kultur, aber auch andere kommunale Partner wie beispielsweise aus der Kinder- und Jugendhilfe, sich gegenseitig stärker im Blick haben und enger zusammenarbeiten.

Was muss bei den Angeboten Kultureller Bildung verbessert werden?

Die Akteure in der Kulturellen Bildung vor Ort müssen qualifiziert und vor allem auch ressourcenorientiert in die Lage versetzt werden, zu kooperieren. Dies sieht man beispielsweise an den Kitas, die dringend mehr Personal auch für eine ästhetische Ausgestaltung der ersten wichtigen Lebensphase kultureller Teilhabe brauchen.

Des Weiteren sollten Akteure Kultureller Bildung selbst die informellen Räume, in denen vor allem Digitalität eine große Rolle spielt, engmaschiger mit formaler und non-formaler Bildung verknüpfen. In diesem Fall ginge es um eine professionelle Anleitung und Begleitung junger Menschen zur digitalen ästhetischen Produktion – denn in digitalen Formaten und Begegnungsräumen werden sie immer mehr selbst zu Produzenten von künstlerischen und ästhetischen Inhalten und darüber lässt sich auch eine kritische rezeptive Haltung entwickeln.